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Seiten 23-26, Leseprobe aus:
"Ger - Die mongolische
Jurte"
Lizzy Mayrl, 1998, 160 Seiten
Diplomarbeit an der
Hochschule für angewandte Kunst in Wien
Aus den Oberflächenbauten
sind in weiterer Folge Fußboden und erhöhter
Sockel hervorgegangen.
"Es scheint, daß die Entwicklung der
Wohnstätten im Neolithikum von der ziemlich
tiefen Höhle zu einer weniger tiefen Höhle
gegangen ist, die mit Mauern versehen dann zu
einer halb - unterirdischen Wohnstätte wurde.
..Daß Grubenhäuser und Oberflächenbauten
gleichzeitig bestanden haben, läßt sich
wahrscheinlich mit der Anpassung an den
Jahreszeitenzyklus erklären."
3.2. Die Trennung von
Dach und Wand
Die Wände der
Grubenwohnungen wurden entweder durch den
Erdwall selbst gebildet oder die fast
senkrechten Wände mit rohen Steinplatten verstärkt.
Die Täfelung der Wände ist durch Grabungen in
einer Siedlung im Gebiet des Chanka Sees in der
Mandschurei überliefert. Datiert wurden die
Siedlungsreste auf das Ende des 2.Jahrtausends
v.Chr..13
Generell kann festgestellt
werden, daß die Bildung der Wand entweder aus
dem Erdreich selbst, oder durch das bis zum
Boden abfallende Dach, oder durch das Dach stützende
Elemente erfolgte.
Funde aus Japan zeugen von Dächern, die bis auf
den Boden hinab reichten, d.h. es bestand keine
Trennung zwischen Wand und Dach. Die Dachstangen
aus Holz wurden tief in den Boden getrieben und
oben kreuzweise zusammengebunden. Die Hüttenfundamente
waren unterirdisch angelegt. 14 (Abb.13)
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Abb.13) runde oder eckige
Hütten mit versenktem Fußboden, Japan, Jomon
- Periode
12 zitiert
nach: Vergara, Paola Montari: "China":
In: Bussagli, Mario (Hg.): "Weltgeschichte
der Architektur China Japan Korea
Himalaja.", Stuttgart 1985, S.152
13 Vg1.:Brentjes,
Burchard: "Schamanenkrone und Weltenbaum:
Kunst der Nomaden.Nordasiens.". Leipzig
1989, S.80
14 Vgl.:
Vergara, P.M.: "Japan.", In:
Bussagli,M. (Hg.): "Weltgeschichte der
Architektur China Japan Korea Himalaja.",
Stuttgart, S. 163
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Abb.14) Grundriß und
Rekonstruktion des runden Hauses,
Banpo
In der Fundstätte
Banpo in China (auf 3 600v.Chr.
datiert), zeugen vier Löcher um eine
Feuerstelle von Pfosten, die das Dach
trugen. (Abb.14) Die Türe öffnete sich
nach Süden. Je deutlicher das Fußbodenniveau
anstieg, um so mehr wurde die
Aufmerksamkeit auf die Stabilität der Wände
gelenkt. Die Bildung der Wände entstand
durch dicht aneinander gereihte Pfähle.
Die Dach bzw. Wandbedeckung bestand aus
vegetativem Material, das mit der hölzernen
Unterkonstruktion verflochten und
oftmals mit Strohlehm abgedichtet wurde.
Die parallele Existenz zweier
grundlegender Behausungsformen, dem
ebenerdigen Stangenzelt und dem in die
Erde versenkten Haus, veranlaßt die
Forschung zu den drei folgenden
Theorien:
3.2.1. Die
Entwicklung der Jurte aus dem versenkten
Grubenhaus (Abb. 15) Zu Beginn wurde
das Feuer in tiefen Gruben gehalten, die
Gruben mit Stangen gedeckt und mit
pflanzlichem Material abgedichtet. In
weiterer Folge verlegten die Bewohner
die Feuerstelle in die Mitte. Das Dach
wurde ebenfalls zentriert und durch die
Zusammenfügung der Stangenspitzen
wesentlich erhöht. Das Anheben des
Bodenniveaus verlangte die Erhöhung der
Seitenwände, dies geschah durch Pfähle;
die das Dach stützten. Die Trennung von
Dach und Wand war somit geschaffen und
bildete die Voraussetzung, das Haus auf
ebener Erde aufzustellen. |
Bisher
verschaffte eine Leiter über das Dach
Zugang zum Inneren. Durch die
Ausrichtung der Hütte auf der Erdoberfläche
wurde eine Eingangstür im Wandbereich
notwendig. Als letzte Entwicklungstufe
entstand der Dachring, durch den der
Rauch abziehen konnte und das
zusammenfaltbare Scherengitter." 15
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3.2.2.
Die Entwicklung der Jurte aus dem
ebenerdigen konischen Stangenzelt (Abb.17)
Das kegelförmige Stangenzelt gilt
vielfach als Ausgangspunkt zur
Entwicklung der heutigen Jurte. Die Bedürfnisse
nach räumlicher Vergrößerung und mehr
Stabilität könnte der Anlaß zur
Verbreiterung des Kegels und schließlich
zur Trennung in eine vertikale Wand rund
um die Grundfläche, und zum unabhängigen,
aufgesetzten Dach gewesen sein. 16
Die
Forschungsarbeiten von Jochelson, 1928,
zur Entwicklungsgeschichte des Zeltes,
sind vielfach Ausgangspunkt in der später
erschienenen Literatur. Jochelson sieht
das zylindrisch - konische Zelt als
logische Entwicklung aus dem kegelförmigen
Zelt. Wie der Prozeß der Transformation
stattfand, überläßt er weitgehend dem
Zufall. 17
15
Vgl. Songtschno,
Tsch.: "Mongol emegtejn uran üjd.",
Ulaanbaatar, 1989, S.100, bezieht sich
auf einen Artikel in der
"Wissenschaftlichen
Zeitschrift", Nr.2, Ulaanbaatar,
1977, S. 59.
16 Vgl.:
Blue Evening Star: "Tipis &
Jurts: authentic designs for circular
shelters.", Asheville,
17 17
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Abb.17) Entwicklung und Formenwandel
der Jurtenkonstruktion ausgehend vom
kegelförmigen Stangenzelt
Verschiedene Ausprägungen
an Mischformen, zwischen Jurte und
Stangenzelt, sind bekannt und werden
auch heute noch verwendet.
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